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Liebe Coaching – Interessentin, mein Blog soll dazu dienen, Ihnen Anhaltspunkte oder Ideen zu geben, wie Sie auch ohne meine persönliche Begleitung zu Hause an Ihrem persönlichen Prozess weiterarbeiten können.

Krise als Chance?

Ich möchte heute mit Ihnen ein paar Gedanken teilen, die mich als Coach aber auch als Privatperson seit Wochen beschäftigen und die Ihnen möglicherweise auch nicht ganz fremd sind.

Oft liest und hört man von der Krise, die wir als Chance betrachten sollen. Krise als Aha- Erlebnis, die „ab heute mache ich alles anders- Mentalität“. Wer kennt nicht die Biografien gestresster, ausgebrannter Manager, die sich urplötzlich vor einer Wand sahen, kündigten, alles verkauften und dann entweder die Welt umsegelten oder in ein Schweigekloster gingen um ein Jahr später mit der Vermarktung ihres jeweiligen Trips gutes Geld zu machen und ein vermeintlich achtsames und entschleunigtes Leben zu führen? Schön, denken da bestimmt einige, aber sicherlich ist es nicht jedem möglich, sein komplettes Leben über den Haufen zu werfen und neu durchzustarten. Das muss auch gar nicht sein. Auch wenn das über die Medien und entsprechende Erfahrungsberichte gerne suggeriert wird. Krise kann sicherlich eine Chance bieten, der völlige Wechsel aller Lebensmodelle, Werte, Eigenschaften usw. ist dennoch nicht das, was wir anstreben sollten, denn 360 Grad Wendungen sind nicht für jeden. Wie immer geht es um kluges Abwägen, passende Analysen der Ist- Situation, konkretes Formulieren von Ideen und Visionen, dann können wir uns an die Umsetzung machen. Gestärkt aus der Krise!

Die Herkunft von Angst

Eine Krise ist etwas ungeheuer Belastendes, Einschneidendes, etwas womit keiner gerechnet hat – geschweige denn, abschätzen kann, ob, wann und wie sich die Situation auflösen lässt. Solche Situationen stehen für mich als Coach eigentlich an der Tagesordnung, denn eine Krise ist immer auch etwas sehr Individuelles. Trennungen, Neuorientierungen, Job- oder Partnerverlust, gesundheitliche Probleme sind nur einige Beispiele individueller Krisen. Corona ist sozusagen die Über-Krise. Ängste und Unsicherheiten sind angesichts der neuen drohenden Gefahren nicht ungewöhnlich und bis zu einem gewissen Grad müssen sie sogar hier sein, da sie auch ein seit Urzeiten einprogrammiertes „Schutzsystem“ für uns Menschen bedeuten. In der Entwicklung der Menschheit oder der Tierwelt, konnte nur der überleben, der schnell auf eine potentielle direkte Gefahr reagiert. Steht der Säbelzahntiger also vor uns, können wir uns für Flucht durch weglaufen oder Angriff entscheiden. Allerdings läuft die Reaktion hierauf so unbedacht ab, dass man eigentlich nicht von einer Entscheidung, vielmehr einem Affekt spricht. Der uns schützt. Unsere Lebenswelt hat sich stark geändert, unsere Gegner sind nicht mehr konkret durch Flucht oder Angriff zu besiegen. Der körperliche Angstabbau (von Stresshormonen) funktioniert so einfach nicht mehr. Stattdessen finden wir uns in Situationen, die so undurchschaubar und scheinbar unlösbar angsteinflößend sind, dass wir von unserem Stresslevel nicht mehr herunterkommen. So kann es zu Panikattacken und völligen Ohnmachtsgefühlen kommen, da wir nicht mehr „Herr der Lage“ sind. Um unsere evolutionsbedingten Muster wieder etwas ins Gleichgewicht zu bekommen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Durch die neuen Bedrohungen fallen teils alle bekannten Werte, Muster und Abläufe weg, d.h wir müssen sie mit neuen ersetzen.

Der Umgang mit Unsicherheiten und Ängsten

  1. Regelmäßigkeit und Routine spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. Unsere Tage, Wochen und Monate benötigen Struktur, die jeder auf seine/ihre Art ihnen geben kann.
  2. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist körperliche Aktivität und Bewegung. Regelmäßiger (durchaus auch gemäßigter) Sport sollte, auch wenn man bisher wenig Lust oder Zeit dafür hatte, unbedingt auf die Tagesagenda.
  3. Wir müssen erkennen, worum es uns bei unserer persönlichen Krise wirklich geht. Was löst meine Unsicherheit genau aus? Worum geht es mir wirklich? Wir sind Produkt unserer Biografie und Erfahrungen und lernen aus (oft auch) negativen Erlebnissen, aus denen wir unsere Realität formen. Angst resultiert fast immer aus schlechten Lernerfahrungen unserer frühen Jahre. Um die emotionale Verstrickung und die damit verbundene Negativspirale zu überwinden, sollten wir versuchen in eine Beobachterposition zu gehen und unser Erleben aus einer neutralen Distanz zu betrachten
  4. Über allem steht die Akzeptanz der Unsicherheit. Wenn wir unsere Gefühle und Sorgen als berechtigt betrachten, uns nicht ständig mit anderen vergleichen, uns auch zugestehen, einmal nicht alles unter Kontrolle haben zu können, kann sich eine positive Leichtigkeit einstellen, mit der wir in die (durchaus auch unsichere Zukunft) blicken können. Das Leben ist nicht zu 100% planbar, wir sind keine programmierten Maschinen und sollten auch nicht den Anspruch daran haben, immer alles richtig zu machen. Stark können wir auch einer vermeintlichen Schwäche sein.

So schlimm also globale wie individuelle Krisen für uns alle sind: sie können bei reflektiertem Umgang zu einer Möglichkeit werden, unser (aller) Verhalten zu überdenken, Muster zu hinterfragen, die Wahrnehmung zu schärfen und sich somit neu kennenzulernen. Das kann dann der Beginn eines neuen Weges sein. Haben Sie den Mut, ihn auch zu gehen!

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